Redentore-Fest in Venedig

Redentore-Fest in Venedig

Das Redentore-Fest erinnert die Venezianer und die Welt jedes Jahr an die Geißel, die gegen Ende des 16. Jahrhunderts ganz Europa heimsuchte: die Pest! Von 1575 bis 1577 tötete die Seuche viele Tausende Menschen aller Stände; Historiker sprechen allein in Venedig von über 50.000 Opfern in weniger als 2 Jahren, darunter vielleicht als berühmtestes der Maler Tizian, der 1576 fast hundertjährig starb. Die Ansteckung war fast sicher mit Schiffen aus dem Orient in die Stadt gekommen, wo die Serenissima noch den Handel beherrschte.
Damals galten Seuchen als heiliges Übel, als eine Art göttliche Strafe, und so billigte der venezianische Senat am 21. September 1576 den Vorschlag des Dogen Alvise Mocenigo, ein feierliches Gelübde abzulegen, um das Ende der Pest und die Rettung der Stadt zu erbitten. Es sollte eine Kirche gebaut werden, „die die Nachfolger feierlich besuchen werden ... zum ewigen Gedenken an die empfangene Wohltat“. Nach den unvermeidlichen endlosen Diskussionen wurde beschlossen, die Christus dem Erlöser geweihte Kirche auf der Insel Giudecca zu bauen, wo die kleine Kirche S. Maria degli Angeli stand; am 3. Mai 1577 wurde in einer feierlichen Zeremonie der Grundstein gelegt.
Am dritten Sonntag im Juli desselben Jahres erklärte der Doge Sebastiano Venier die Serenissima endlich für pestfrei. In wenigen Tagen wurde eine provisorische Holzkirche gebaut, um das Ende der Pest zu feiern, und eine Schiffsbrücke errichtet, die die Giudecca mit dem gegenüberliegenden Ufer verband, damit der vom Dogen angeführte Zug die Kirche zu den feierlichen Dankgottesdiensten erreichen konnte.
Das Aussehen der Redentore-Kirche verdanken wir dem Genie und der Kunst von Andrea Palladio, der mit dem Entwurf beauftragt wurde. Die Kirche wurde 1592 vollendet und geweiht, nur 15 Jahre nach der Grundsteinlegung!
Die Feierlichkeiten beschränken sich nicht auf die Redentore-Kirche, sondern erstrecken sich nach einer über 400 Jahre alten Tradition auf ganz Venedig, mit zahlreichen Veranstaltungen auf den Plätzen. Die Redentore-Regatta ist nur eine davon, wenn auch zusammen mit dem Feuerwerk die spektakulärste für die Tausenden, die jedes Jahr zuschauen. Die Feuerwerksnacht ist eine junge Tradition, 1978 eingeführt, um dem alten Fest eine moderne Note zu geben.
Das Schauspiel ist grandios, sowohl wegen Menge und Qualität des Feuerwerks (45 Minuten ohne Unterbrechung) als auch wegen der einzigartigen Kulisse. In dieser Nacht wimmeln das Markusbecken und die ganze Lagune zwischen Venedig und dem Lido von Booten voller Venezianer und Urlauber, die feiern, essen, singen und vor allem „vardando i foghi“, also das Feuerwerk anschauen!

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