
Der Bragozzo ist zweifellos das Fischerboot der Adria, das Chioggia und seine Traditionen verkörpert. Später verbreitete er sich in den anderen Seefahrergemeinden der Oberen Adria (Caorle, Grado, Marano), als die Binnenfischerei in den Lagunen infolge der schrittweisen Trockenlegung der Fischgründe zurückging und die jungen Fischer aufs Meer hinausfuhren. Seine Bauweise als Hochseeboot geht auf die zweite Hälfte des 18. Jahrhunderts zurück, als er die größeren und teureren Tartanen ersetzte; eine starke Verbreitung erfuhr er nach dem österreichischen königlichen Erlass vom 6. Mai 1838, der auf Drängen der Istrier die Fischerei mit Grund- und Schleppnetzen verbot, weil sie die Fischbestände und den Fortbestand der Meeresarten zerstörte. Dank seines flachen Bodens eignete sich der Bragozzo besonders für den Fischfang in seichten Gewässern wie an den italienischen Küsten der Oberen Adria. Dass der Bragozzo die Tartane verdrängte, erklärt sich auch dadurch, dass viele kleine Reeder die Fischerei zugunsten sichererer und einträglicherer Tätigkeiten an Land aufgegeben hatten und dass eine neue Tartane aus der Werft dreimal so viel kostete wie ein Bragozzo: 7.000 Lire gegenüber 2.300 im Jahr 1892. Diese Umstände, die wie gesagt die enorme Verbreitung des Bragozzo erklären, führten auch zur Zersplitterung des Eigentums und zur Entstehung einer neuen Schicht kleiner Eigentümer, die daran interessiert, wenn nicht gar gezwungen waren, das Boot als Familienbetrieb zu führen, denn im Gegensatz zur Tartane, die acht Mann Besatzung brauchte, konnte er von nur drei Personen gesteuert werden. Mit einer Länge von 36 bis 40 Fuß (12,60 bis 14 Meter) befuhren Hunderte dieser Boote die Adria kreuz und quer bis in die 1940er-Jahre, als sie nach und nach von Motorbooten abgelöst wurden.